Der Vorstand des Vereins InkluFusion e.V. hat folgende Linie zum Thema Gendern festgelegt. Unsere Mitglieder und Partnerorganisationen sind eingeladen, sich dieser Position anzuschließen. Diese Linie wird regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst, zuletzt im Februar 2025 aktualisiert.
Gendern in Texten
Um sicherzustellen, dass Texte von Assistenzpersonen oder Screenreadern korrekt vorgelesen werden können, sollten Personenbezeichnungen ausformuliert werden. Dabei bevorzugen wir geschlechtsneutrale Formulierungen („Team“ statt „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“). Falls erforderlich, wird die Beidnennung („Ärztinnen und Ärzte“) verwendet.
Wir erkennen an, dass die Beidnennung nicht allen Geschlechtsidentitäten gerecht wird. Deshalb kann in längeren Texten in einem vorangestellten Satz klargestellt werden, dass der jeweilige Text sich unabhängig von den verwendeten Personenbezeichnungen an alle Geschlechtsidentitäten richtet.
Kurzformen: Gendern mit Sternchen, Unterstrich und Doppelpunkt
Um alle Menschen in ihrer geschlechtlichen Vielfalt anzusprechen, bevorzugen wir geschlechtsneutrale Formulierungen. Kurzformen wie:
- Leser*in
- Leser_in
- Leser:in
werden aus Gründen der Barrierefreiheit nicht empfohlen.
Falls dennoch mit Kurzformen gegendert werden soll, empfiehlt InkluFusion e.V. das Sternchen, da es für sehbehinderte Menschen in der Regel besser erkennbar ist als Doppelpunkt oder Unterstrich.
Erläuterungen zur Position des Vereins InkluFusion e.V.
Für blinde und sehbehinderte Menschen, die Texte in erster Linie über das Hören wahrnehmen – sei es durch Screenreader, Assistenzpersonen oder andere Vorlesende –, ist Klarheit beim Vorlesen essenziell. Gender-Kurzformen mit Satz- oder Sonderzeichen können dabei problematisch sein, da sie entweder mit vorgelesen oder überlesen werden und den Vorlesefluss stören.
Unsere bevorzugten Lösungen sind:
- Geschlechtsneutrale Begriffe: Begriffe wie „Team“ schließen kein Geschlecht aus.
- Beidnennung: Formulierungen wie „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ gewährleisten Verständlichkeit, sind jedoch nicht vollständig inklusiv.
Barrierefreiheit und Gender-Kurzformen
Das Gendern mit Sonderzeichen wie Sternchen, Unterstrich oder Doppelpunkt stellt blinde und sehbehinderte Menschen vor Herausforderungen:
- Vorlesende (Menschen oder Screenreader) interpretieren diese Zeichen unterschiedlich. Es entstehen entweder Leselücken oder störende Vorlesungen der Zeichen selbst.
- Screenreader behandeln diese Zeichen uneinheitlich. Eine gezielte Unterdrückung kann dazu führen, dass wichtige Sonderzeichen — wie ein Sternchen zur Kennzeichnung eines Pflichtfeldes — ebenfalls nicht vorgelesen werden.
- Auf Brailleschrift-Displays erfordern Sonderzeichen spezielle Markierungen, die den Lesefluss unterbrechen.
Der Genderdoppelpunkt
Obwohl der Doppelpunkt als blindenfreundlich bezeichnet wird, lehnen wir ihn als Gender-Kurzform ab. Gründe sind:
- Uneinheitliche Handhabung durch Screenreader: Der Doppelpunkt wird entweder nicht vorgelesen oder als längere Pause interpretiert, was den Eindruck eines Satzendes erwecken kann.
- Beeinträchtigung beim Lesen in Brailleschrift, da der Doppelpunkt als reguläres Interpunktionszeichen wichtige Funktionen erfüllt und nicht unterdrückt werden sollte.
Schlussbemerkung
InkluFusion e.V. sieht es als wichtig an, Texte möglichst inklusiv und barrierefrei zu gestalten. Wir streben Lösungen an, die alle Geschlechter einbeziehen und gleichzeitig den besonderen Bedürfnissen blinder und sehbehinderter Menschen gerecht werden. Sollte sich die queere Community auf eine einheitliche, barrierefreie Gender-Lösung einigen, werden wir unsere Position überdenken, um eine noch inklusivere Sprache zu fördern.