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Theo macht Schule

Material und Ablauf

Was in den 60 bis 90 Minuten passiert, welches Material dahintersteckt und woran wir hinterher merken, ob es etwas gebracht hat. Alle Vorlagen kannst du frei herunterladen und kopieren – auch ohne Klassenpaket, auch ohne uns.

Bevor du loslegst

Du kannst das Material ohne uns einsetzen – es ist frei, und das ist Absicht. Dann fehlt dir aber der Teil, der im Workshop mündlich passiert. Er steht hier, und er ist uns wichtiger als jedes Arbeitsblatt.

  1. 1. Theo ist zuerst ein Kind

    Behinderung ist kein tragisches Schicksal, und niemand ist ein Held, weil er seinen Alltag lebt. Theo ist mutig, neugierig und manchmal genervt von seinem kleinen Bruder. Wenn am Ende der Stunde „die armen Kinder“ herauskommt, hat der Unterricht das Gegenteil erreicht.

  2. 2. Die Simulation zeigt Auswirkungen, keine Erfahrung

    Eine Simulationsbrille zeigt für ein paar Minuten, wie sich der Blick durch ein eingeschränktes Gesichtsfeld verändert. Wie es ist, sehbehindert zu leben, zeigt sie nicht: dazu gehören Übung, Hilfsmittel und Routine. Sag nicht „So fühlt sich das an“, sondern „Das ist eine von vielen Auswirkungen“.

  3. 3. Helfen heißt fragen

    Anbieten. Fragen. Die Antwort abwarten. Die Entscheidung akzeptieren. Ein „Nein danke“ ist kein Misserfolg, sondern Selbstbestimmung. Wer ungefragt am Arm zieht, hilft nicht, sondern nimmt jemandem die Kontrolle über den eigenen Weg.

  4. 4. Es gibt kein richtiges Hilfsmittel, nur passende

    Nicht jeder Mensch mit Sehbehinderung liest Braille, und nicht jeder blinde Mensch braucht es. Viele hören Bücher, vergrößern Schrift oder nutzen beides. Ein Langstock ist Werkzeug, kein Zeichen von Unglück.

  5. 5. Die Fragen der Kinder haben Vorrang

    Es gibt keine unpassende Frage. Kinder fragen direkt, und das ist gut so – peinlich wird es erst, wenn Erwachsene abwinken. Wenn eine Klasse zwanzig Minuten fragt, ist das der beste Teil der Stunde. Kürze lieber einen Baustein.

Der Ablauf eines Besuchs

Ein Besuch dauert 60 bis 90 Minuten. Die Bausteine sind fest, ihre Gewichtung nicht: In Klasse 2 nehmen Langstock und Simulationsmaterial mehr Zeit ein, in Klasse 4 Barrieren und richtiges Helfen. Was die Klasse gerade beschäftigt, hat Vorrang vor dem Plan.

Die zwölf Bausteine eines Schulbesuchs mit Dauer und Schwerpunkt
Baustein Dauer Was passiert Schwerpunkt
1. Begrüßung 5 Min. Wer kommt da, und warum? Kurz, ohne Vortrag. alle
2. Theo kennenlernen 5 Min. Wer ist Theo? Was macht er gern? Erst das Kind, dann die Sehbehinderung. alle
3. Interaktive Lesung 15 Min. Ein Kapitel, unterbrochen von Zwischenfragen. Die Kinder lesen mit. alle
4. Fragen der Kinder 10 Min. Der wichtigste Teil. Es gibt keine unpassende Frage. alle
5. Sehbehinderung erklären 5 Min. Was heißt sehbehindert? Warum ist das bei jedem anders? Klasse 3 und 4
6. Simulationsmaterial 10 Min. Einzelne Auswirkungen eines eingeschränkten Gesichtsfelds – ausdrücklich keine Erfahrung, „wie es ist“. Klasse 2 und 3
7. Langstock kennenlernen 5 Min. Anfassen, ausprobieren, Fragen stellen. Klasse 2
8. Braille entdecken 10 Min. Das Alphabet, der eigene Name, eine geheime Botschaft. alle
9. Praktische Aufgabe 10 Min. Braille-Rätsel, Memory oder Namenskarte – je nach Klassenstufe. alle
10. Barrieren finden 10 Min. Rundgang mit den Suchkarten oder Barriere-Check im Klassenraum. Klasse 3 und 4
11. Richtig helfen 10 Min. Situationskarten: anbieten, fragen, Antwort abwarten. Klasse 3 und 4
12. Abschluss 5 Min. Was nehmen wir mit? Klassenposter ausfüllen. alle

Zusammengerechnet ergeben die Bausteine mehr als 90 Minuten. Das ist Absicht: Wir kürzen lieber einen Baustein, als die Fragen der Kinder abzuwürgen.

Die Druckvorlagen

11 Vorlagen im PDF-Format, alle auf A4, alle schwarz-weiß druckbar. Sie sind zum Ausdrucken gemacht, nicht zum Vorlesen am Bildschirm – deshalb steht der gesamte Inhalt auf dieser Seite auch als Text. Du brauchst kein Klassenpaket dafür und musst dich nirgends anmelden.

  • Bevor du loslegst

    Fünf Sätze, die uns wichtiger sind als jedes Arbeitsblatt – vor allem für alle, die das Material ohne uns einsetzen.

    So setzt du es ein: Einmal lesen, bevor die erste Kopie gemacht wird.

    Herunterladen (PDF, 1 Seite, 64 KB)
  • Das Braille-Alphabet

    Übersicht über alle Buchstaben, Umlaute, ß, Zahlen und die Lautgruppen. Grundlage für alle anderen Braille-Vorlagen.

    So setzt du es ein: Als Poster an die Wand oder für jedes Kind auf den Tisch.

    Herunterladen (PDF, 2 Seiten, 81 KB)
  • Mein Name in Braille

    Acht Karten je Blatt. Die Kinder schreiben ihren Namen und übertragen ihn in leere Punktfelder.

    So setzt du es ein: Punkte von hinten mit einer Nadel durchstechen, dann ist der Name tastbar.

    Herunterladen (PDF, 1 Seite, 81 KB)
  • Braille-Rätsel

    Sechs Wörter und eine geheime Botschaft zum Entschlüsseln, dazu Platz für eine eigene Botschaft. Lösungen auf Seite 2.

    So setzt du es ein: Ab Klasse 3 allein, in Klasse 2 zu zweit.

    Herunterladen (PDF, 2 Seiten, 95 KB)
  • Braille-Memory

    Zwölf Paare: eine Karte mit Punktfeld, eine mit Buchstabe.

    So setzt du es ein: Beide Blätter drucken, Karten ausschneiden. Für Klasse 2 reichen sechs Paare.

    Herunterladen (PDF, 2 Seiten, 69 KB)
  • Barriere-Detektive

    Acht Karten mit je einem Ort in der Schule und einer Frage dazu.

    So setzt du es ein: Gruppen bilden, Karten verteilen, Rundgang machen, danach zusammentragen.

    Herunterladen (PDF, 1 Seite, 63 KB)
  • Unser Schul-Barriere-Check

    Zwölf Aussagen zum Ankreuzen: ja, teils, nein. Am Ende Platz für Vorschläge.

    So setzt du es ein: Im Anschluss an den Rundgang, gemeinsam als Klasse.

    Herunterladen (PDF, 1 Seite, 63 KB)
  • Was würdest du tun?

    Sechs Situationskarten zum richtigen Helfen. Seite 2 enthält Gesprächsimpulse für die Lehrkraft.

    So setzt du es ein: Erst allein überlegen, dann in der Gruppe besprechen.

    Herunterladen (PDF, 2 Seiten, 65 KB)
  • Unsere Schule für alle

    Poster mit drei Feldern: gefundene Barrieren, Vorhaben, wie wir Hilfe anbieten.

    So setzt du es ein: Am besten auf A3 vergrößern und im Klassenraum aufhängen.

    Herunterladen (PDF, 1 Seite, 63 KB)
  • Drei Fragen

    Derselbe Bogen vor und nach dem Besuch. Ohne Namen, ohne Noten.

    So setzt du es ein: Die Bögen bleiben in der Schule. Wir bekommen nur die Anzahl und eine kurze Rückmeldung.

    Herunterladen (PDF, 1 Seite, 63 KB)
  • Rückmeldung zum Schulbesuch

    Fünf Aussagen zum Ankreuzen und drei offene Fragen.

    So setzt du es ein: Nach dem Besuch ausfüllen und mitgeben oder an hallo@inklufusion.de schicken.

    Herunterladen (PDF, 1 Seite, 63 KB)

Was ein Klassensatz kostet

Wir rechnen mit rund 50 € Lernmaterial je Klasse: Kopien, festeres Papier für die Karten, ein Poster in A3, Bastelmaterial für die tastbaren Übungen. Die Simulationsbrille und das Hörbuch sind bereits vorhanden und kosten nichts extra. Wer die Vorlagen selbst druckt, zahlt nur das Papier.

Du darfst damit machen, was du willst

Das Lernmaterial steht unter CC BY-SA 4.0: nutzen, ändern und weitergeben ist erlaubt – unter Nennung von InkluFusion e. V. und unter denselben Bedingungen. Das Kinderbuch „Theo und der Zauberstab“ selbst fällt nicht darunter.

Wenn du das Material einsetzt, schreib uns gern kurz an hallo@inklufusion.de. Wir zählen keine Downloads und wollen auch keine Anmeldung – wir würden nur gern wissen, wo Theo überall ankommt.

Das Braille-Alphabet als Text

Eine Braillezelle hat sechs Punkte. Sie sind so nummeriert: links untereinander die Punkte 1, 2 und 3, rechts daneben die Punkte 4, 5 und 6. Jeder Buchstabe ist eine bestimmte Auswahl davon.

Die Buchstaben a bis z sind international gleich. Umlaute, das ß und die Lautgruppen gelten für die deutsche Vollschrift.

Buchstaben, Umlaute und ß
Zeichen Gesetzte Punkte Zeichen Gesetzte Punkte
a Punkt 1 p Punkte 1, 2, 3, 4
b Punkte 1, 2 q Punkte 1, 2, 3, 4, 5
c Punkte 1, 4 r Punkte 1, 2, 3, 5
d Punkte 1, 4, 5 s Punkte 2, 3, 4
e Punkte 1, 5 t Punkte 2, 3, 4, 5
f Punkte 1, 2, 4 u Punkte 1, 3, 6
g Punkte 1, 2, 4, 5 v Punkte 1, 2, 3, 6
h Punkte 1, 2, 5 w Punkte 2, 4, 5, 6
i Punkte 2, 4 x Punkte 1, 3, 4, 6
j Punkte 2, 4, 5 y Punkte 1, 3, 4, 5, 6
k Punkte 1, 3 z Punkte 1, 3, 5, 6
l Punkte 1, 2, 3 ä Punkte 3, 4, 5
m Punkte 1, 3, 4 ö Punkte 2, 4, 6
n Punkte 1, 3, 4, 5 ü Punkte 1, 2, 5, 6
o Punkte 1, 3, 5 ß Punkte 2, 3, 4, 6

Zahlen

Für Zahlen gibt es keine eigenen Zeichen. Vor die Zahl kommt das Zahlzeichen (Punkte 3, 4, 5, 6), danach stehen die Buchstaben a bis j für 1 bis 0.

  • 1 – Punkt 1
  • 2 – Punkte 1, 2
  • 3 – Punkte 1, 4
  • 4 – Punkte 1, 4, 5
  • 5 – Punkte 1, 5
  • 6 – Punkte 1, 2, 4
  • 7 – Punkte 1, 2, 4, 5
  • 8 – Punkte 1, 2, 5
  • 9 – Punkte 2, 4
  • 0 – Punkte 2, 4, 5

Lautgruppen für Klasse 3 und 4

Häufige Buchstabenpaare haben ein eigenes Zeichen. Das spart Platz – ein Braillebuch braucht deutlich mehr Papier als dasselbe Buch in Schwarzschrift.

  • au – Punkte 1, 6
  • eu – Punkte 1, 2, 6
  • äu – Punkte 3, 4
  • ei – Punkte 1, 4, 6
  • ch – Punkte 1, 4, 5, 6
  • sch – Punkte 1, 5, 6
  • st – Punkte 2, 3, 4, 5, 6
  • ie – Punkte 3, 4, 6

Wichtig

Nicht jeder Mensch mit Sehbehinderung liest Braille, und nicht jeder blinde Mensch braucht es. Viele hören Bücher, vergrößern Schrift oder nutzen beides. Braille ist eine Möglichkeit, keine Pflicht.

Barrieren finden

Die acht Suchkarten

  • Der Eingang Kommt man ohne Stufe hinein? Geht die Tür schwer auf?
  • Der Flur Steht etwas im Weg? Sind Ecken und Kanten gut zu sehen?
  • Die Treppe Sind die erste und die letzte Stufe zu erkennen? Gibt es einen Handlauf?
  • Die Tafel Kann man von jedem Platz aus lesen, was dort steht? Blendet es?
  • Der Schulhof Wo ist es eng? Wo weiß man nicht, wohin man gehen soll?
  • Die Toilette Passt ein Rollstuhl hinein? Findet man den Lichtschalter?
  • Die Beschilderung Sind die Schilder groß genug? Hängen sie da, wo man sie sucht?
  • Der Lärm Wo ist es so laut, dass man einander nicht versteht?

Der Schul-Barriere-Check

Zwölf Aussagen, je dreimal anzukreuzen: ja, teils, nein. Es gibt kein richtig oder falsch – nur ein ehrliches Bild.

  1. Man kommt ohne Stufe in das Gebäude.
  2. Die Türen lassen sich leicht öffnen.
  3. Im Flur steht nichts im Weg.
  4. Die erste und die letzte Stufe jeder Treppe sind deutlich zu erkennen.
  5. An jeder Treppe gibt es einen Handlauf.
  6. Die Schilder sind groß und gut lesbar.
  7. Wichtige Wege sind auch ohne Lesen zu finden.
  8. Es gibt eine Toilette, in die ein Rollstuhl passt.
  9. Von jedem Platz aus ist die Tafel zu lesen.
  10. Es gibt einen Ort, an dem es leise ist.
  11. Neue Kinder finden sich allein zurecht.
  12. Alle Kinder können bei allem mitmachen.

Richtig helfen

Die Karten haben keine einzig richtige Antwort. Wichtig ist die Reihenfolge, die dahintersteckt: Hilfe anbieten – fragen – die Antwort abwarten – die Entscheidung akzeptieren. Ein „Nein danke“ ist kein Misserfolg, sondern Selbstbestimmung.

  • An der Straße

    Eine Person mit Langstock steht am Bordstein und geht nicht los.

    Worauf es ankommt: Frag: „Kann ich helfen?“ Warte die Antwort ab. Vielleicht wartet die Person nur auf jemanden.

  • Das Fahrrad im Weg

    Auf dem Gehweg liegt ein Fahrrad quer.

    Worauf es ankommt: Räum es zur Seite. Ein Hindernis, das man nicht sieht, ist gefährlich – nicht nur für blinde Menschen.

  • An der Tafel

    Ein Kind in deiner Klasse kann nicht erkennen, was an der Tafel steht.

    Worauf es ankommt: Lies vor, was dort steht. Frag vorher, ob das recht ist.

  • Am Arm gezogen

    Jemand nimmt eine blinde Person am Arm und zieht sie über die Straße.

    Worauf es ankommt: Das ist keine Hilfe. Man fragt zuerst. Wer geführt werden möchte, hakt sich selbst ein.

  • Der freie Platz

    Im Bus ist nur noch ein Platz frei. Jemand mit Gehhilfe steigt ein.

    Worauf es ankommt: Biete den Platz an. Ein „Nein danke“ ist auch eine Antwort – und völlig in Ordnung.

  • Die Frage an die Begleitung

    Jemand fragt die Begleitperson: „Was möchte er denn trinken?“

    Worauf es ankommt: Frag die Person selbst. Wer neben jemandem steht, spricht nicht für diese Person.

Woran wir merken, ob es etwas gebracht hat

Keine Evaluation, kein Fragebogenberg. Wir erfassen die Klassenstufe, die Zahl der Kinder und Fachkräfte, die Zahl der ausgegebenen Bücher – und zwei kurze Rückmeldungen. Mehr braucht es nicht, und mehr würde ein ehrenamtliches Team auch nicht dauerhaft schaffen.

Drei Fragen an die Kinder

Derselbe Bogen vor und nach dem Besuch, ohne Namen und ohne Noten. Die dritte Frage wird nur danach beantwortet. Die Bögen bleiben in der Schule.

  1. Was ist eine Barriere?
  2. Wie kannst du einem Menschen mit Sehbehinderung helfen?
  3. Was hast du heute neu gelernt?

Fünf Aussagen für die Lehrkraft

Ankreuzen: stimmt, teils, stimmt nicht. Dazu drei offene Fragen. Fünf Minuten, mehr wollen wir nicht von deiner Zeit.

  • Die Länge des Besuchs hat gepasst.
  • Die Inhalte waren für diese Klassenstufe richtig.
  • Die Kinder haben sich getraut zu fragen.
  • Das Material konnten wir danach weiterverwenden.
  • Der Besuch hat etwas verändert, das wir noch merken.

Namen von Kindern veröffentlichen wir nie. Teilnehmende Schulen nennen wir öffentlich nur, wenn die Schule ausdrücklich zustimmt.

Klingt nach etwas für deine Klasse?

Klassenpaket anfragen